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Sellner überlegt. – Oder der Wahn kennt keine Grenzen.

Sellner überlegt, Sellner rudert zurück: Die Angriffe gab es wohl doch nicht. Trotzdem wären die Gegendemonstranten gezielt auf die IB-Gruppe losgegangen. Bereits jetzt schauen die zwölf Identitären im Publikum etwas ungläubig. Was Sellner da erzählt, deckt sich mit keiner der bisherigen Schilderungen. Von allen anderen wurde berichtet, dass sich die Protestierenden stets in mindestens 20 Meter Entfernung befanden. Die drei Justizbeamten im Saal grinsen sich verstehend an – solche Zeugen machen Spaß. Und auch im Publikum wird leise gelacht.

Auch in den restlichen Minuten schafft es Sellner, sich gnadenlos in Widersprüche zu verrennen. Er tönt verschwörerisch, der Nebenkläger sei ein Spion, ein Späher der Linksextremen vom Marktplatz gewesen, den sie den Identitären hinterhergeschickt hätten. Die Nebenklage fragt, wo Sellner diese Gewissheit hernehme, oder ob das nur eine „Schlussfolgerung“ sei. Der raunt darauf, dass sowas doch allgemeine Praxis der Linken wäre. Auch habe ihm einer seiner Kameraden gesagt, der Betroffene wäre ein Späher.

Der Richterin wird es schließlich zu bunt. Sie fordert Sellner auf, Fragen klar mit Ja oder Nein zu beantworten. Er solle endlich antworten, ob ihm jemand gesagt habe, dass der Nebenkläger ein „Späher“ sei. Als Sellner sich zähneknirschend mit einem „kann mich nicht genau erinnern“ aus der Affäre ziehen will, schauen Nebenklage und Richterin nur noch fassungslos.

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