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Schönes Interview aus der letzten Wired mit Robert Del Naja von Massive Attack.

WIRED: Zeigen sich da nicht die ideologischen Berührungspunkte zwischen dem, was man so die kalifornische Philosophie der Tech-Firmen nennen könnte, und der Denke klassischer linker Bewegungen? Der Aufruf, sich zusammenzuschließen, ist eine alte Arbeiterkampfparole. Sie selbst wurden als Jugendlicher in den 80er-Jahren geprägt von der damaligen britischen Sprayerszene, die wie viele Subkulturen zuvor auch das „System“ herausfordern wollte. Wie weit ist es von dort bis zur Tech-Ideologie der „disruption“, mit der Altes durch etwas Neues ersetzt werden soll?
Del Naja: Ihr habt mit alldem recht. Und nun wollt ihr wissen, was ich daran gut oder schlecht finde?

WIRED: Zum Beispiel.
Del Naja: Ich finde disruption im Prinzip super. Bloß hat die Störung des Betriebs, die damit gemeint ist, heute mitunter verwirrende Folgen. Ein Beispiel: der Kampf zwischen dem FBI und Apple, ob der Konzern im Zuge der Ermittlungen zum Terroranschlag in San Bernardino das iPhone eines der Attentäter knacken muss. Der Schutz unser aller Daten steht auf dem Spiel. Ich bin also in diesem Fall auf der Seite von Apple. Trotzdem lehne ich die Zukunftsvorstellungen des Si­licon Valley ab. Ihr seht: Es ist situationsabhängig, wie super ich disruption finde.

WIRED: Ist die Gegenwart nicht auf ganz andere Weise bereits gestört und kaputt, als Silicon Valley sich das vorstellt?
Del Naja: Richtig, und in unserer Show versuchen wir ja, die großen Themen der Zeit zu verhandeln. Die haben vor allem mit Konflikten um Grenzen, Nationalität und Religion zu tun. Warum verlassen Menschen ihre Heimat, wohin migrieren sie, warum tun sie es, wie können wir alle friedlich koexistieren? Auf all das habe ich keine Antworten, aber womöglich haben ja intellektuellere Denker als ich welche. Ich würde gern hoffnungsfroh in die Zukunft schauen. Doch wenn ich nachts wach liege und an die Decke starre, fällt mir nichts ein, was mich gerade zuversichtlich stimmen würde.

 

Das gesamte Interview gibt es hier.